Überblick für Privatkunden · Stand Oktober 2026

CFD Broker ohne Nachschusspflicht: Was in Deutschland gilt und worauf Sie achten sollten

Die Antwort vorweg: Für Privatkunden ist die Nachschusspflicht bei CFDs in Deutschland verboten. Warum die Wahl des Brokers trotzdem nicht egal ist, erfahren Sie hier.

Stand: Oktober 2026 ca. 7 Min. Lesezeit
4Anbieter im Überblick, alphabetisch
30:1höchster Hebel für Privatkunden laut ESMA-Rahmen
50 %der Mindestmarge: Close-out-Schwelle pro Konto
2017Jahr der BaFin-Verfügung gegen die Nachschusspflicht

Kurzantwort: Gibt es noch CFD-Broker mit Nachschusspflicht?

Für Privatkunden in Deutschland: nein. Seit der Allgemeinverfügung der BaFin vom 8. Mai 2017 dürfen CFDs mit Nachschusspflicht an Privatkunden nicht mehr angeboten werden. Die EU-weiten Maßnahmen der ESMA ergänzen das mit einem Negativsaldoschutz pro Konto. Wer heute als Privatkunde ein CFD-Konto eröffnet, kann also nicht mehr verlieren als das Guthaben auf diesem Konto.

Das ist allerdings kein Trost für den Fall, dass das Guthaben schnell schrumpft: Es kann komplett aufgebraucht werden. Die Suche nach dem „richtigen“ Broker ist deshalb weniger eine Frage der Nachschusspflicht als des Kundenstatus und der Vertragsgesellschaft. Die Hintergründe zum Verbot finden Sie bei den Regeln zur Nachschusspflicht bei CFDs.

Beispiel (vereinfacht): Ein Privatkunde setzt 1.000 € ein, und ein Kurssprung treibt den Verlust rechnerisch auf 1.600 €. Früher hätte er die fehlenden 600 € nachzahlen müssen. Heute endet der Verlust bei 1.000 €, dem gesamten Guthaben. Das ist die Veränderung, und sie ist erheblich, auch wenn sie den Verlust der Einlage nicht verhindert.

Worauf es bei der Brokerwahl wirklich ankommt

Wer vor der Kontoeröffnung viele Seiten liest, stößt auf Bonusaktionen, Demokonten und „Null-Gebühren“-Versprechen. Das sind Verkaufsargumente, keine Auswahlkriterien.

Ein Blick auf die Startseite eines Brokers verrät wenig. Entscheidend steht im Kleingedruckten. Vier Punkte lohnen die Zeit:

Welche Gesellschaft ist Ihr Vertragspartner?

Dieselbe Marke tritt oft über mehrere Unternehmen auf, je nach Wohnsitz des Kunden. Welche Gesellschaft für Sie zuständig ist, steht in der Kundenvereinbarung, nicht im Werbebanner. Danach richten sich Aufsicht und Schutzrechte.

Sind Sie Privatkunde oder professioneller Kunde?

Der Status entscheidet darüber, welche Schutzregeln gelten. Wer sich als professionell einstufen lässt, verzichtet auf einen Teil des Schutzes, und das bleibt in Werbeaussagen gern unerwähnt.

Wer beaufsichtigt den Anbieter?

Eine Lizenz ist die Voraussetzung, kein Qualitätssiegel. Prüfen Sie, bei welcher Behörde der Anbieter gelistet ist, und gleichen Sie die Nummer mit dem öffentlichen Register ab.

Wie lautet der Negativsaldoschutz im Wortlaut?

Am meisten Klarheit gibt der konkrete Absatz in den Vertragsunterlagen. Was er bedeutet und wo er endet, steht bei Negativsaldoschutz und seine Grenzen.

Ein Wort zu den Hebeln und Kosten, die Anbieter gern in den Vordergrund stellen: Sie sind wichtig, aber sie sagen nichts darüber, wie ein Konto im Ernstfall geschützt ist. Ein niedriger Spread hilft wenig, wenn der Vertragswortlaut zum Negativsaldoschutz vage bleibt. Lesen Sie die Schutzklauseln deshalb zuerst und die Preisliste danach.

CFD-Anbieter für Privatkunden im Überblick

Die Tabelle fasst zusammen, was die Anbieter in ihren eigenen Unterlagen angeben, in alphabetischer Reihenfolge. Es ist keine Rangliste und keine Empfehlung. Wo eine Angabe nicht eindeutig belegt ist, steht „laut Anbieter prüfen“.

Sortierung:

Alphabetisch sortiert. Stand: 17.10.2026. Daten aus den Anbieter-Dokumenten, siehe Methodik.
AnbieterAufsichtZugang aus DeutschlandVerlustreiche Konten (Risikowarnung)
Capital.comCapital Com SV Investments LimitedCFD-Angebot von Capital.comCySEC, Lizenz 319/17laut Anbieter prüfen74 % der Privatkundenkonten
LibertexIndication Investments LtdCFD-Handel bei Libertex für PrivatkundenCySEC, CIF-Lizenz 164/12Repräsentanz in Deutschland, bei der BaFin registriert (BaFin-ID 10161686)84 % der Privatkundenkonten
Plus500Plus500CY LtdCFD-Angebot von Plus500CySEC, Lizenz 250/14laut Anbieter prüfen80 % der Privatkundenkonten
XTBXTB S.A. German Branch, Berlin (Zweigniederlassung der XTB S.A., Warschau)CFD-Angebot von XTBKNF (Polen) und BaFinZweigniederlassung in Berlin, BaFin-ID 1012152077 % der Privatkundenkonten

Prozentwerte stammen aus den Risikowarnungen der Anbieter, Stand 17.10.2026. Sie ändern sich in der Regel vierteljährlich.

So lesen Sie die Tabelle

Der Anteil verlustreicher Konten ist kein Gütesiegel und kein Warnsignal für einen einzelnen Anbieter. Er beschreibt, wie viele Privatkunden im betrachteten Zeitraum Verlust gemacht haben, und hängt stark davon ab, wer dort handelt und was gehandelt wird. Wichtiger ist die Botschaft dahinter: Bei allen vier Anbietern liegt der Wert in einem Bereich, in dem die Mehrheit der Privatkunden Geld verliert. Vergleichen Sie die Werte nur, wenn sie aus demselben Zeitraum stammen.

Capital.com

Betreiber und Aufsicht: Capital Com SV Investments Limited, von der CySEC beaufsichtigt (Lizenz 319/17). Zugang aus Deutschland: Die Anbieterseite nennt zwei Gesellschaften, die zweite ist Capital Com Group Ltd mit CySEC-Lizenz 463/25; welche davon deutsche Kunden betreut, gehört in die Kundenvereinbarung. Besonderheit: Kundengelder liegen getrennt, der Anbieter gehört dem zyprischen Entschädigungsfonds ICF an. Risikowarnung: 74 % der Privatkundenkonten verlieren Geld (Stand 17.10.2026).

Libertex

Betreiber und Aufsicht: Indication Investments Ltd, CySEC-Lizenz 164/12. Zugang aus Deutschland: Die Dienstleistungen gelten für den EWR und die Schweiz, in Deutschland gibt es eine bei der BaFin registrierte Repräsentanz (BaFin-ID 10161686). Besonderheit: Die Ersteinzahlung beträgt 100 €, der Hebel ist nach Anlageklasse gestaffelt, von 1:30 bei Hauptwährungspaaren bis 1:2 bei Kryptowährungen. Risikowarnung: 84 % der Privatkundenkonten verlieren Geld (Stand 17.10.2026).

Plus500

Betreiber und Aufsicht: Plus500CY Ltd, CySEC-Lizenz 250/14. Zugang aus Deutschland: Die Website gibt es auf Deutsch, eine eigene deutsche Gesellschaft nennt der Anbieter dort nicht; maßgeblich ist der Vertrag. Besonderheit: Laut FAQ bleibt der Verlust auf das Kontoguthaben begrenzt, die Kundengelder liegen auf getrennten Konten, der ICF-Schutz ist angegeben. Risikowarnung: 80 % der Privatkundenkonten verlieren Geld (Stand 17.10.2026).

XTB

Betreiber und Aufsicht: XTB S.A. German Branch in Berlin, Zweigniederlassung der XTB S.A. aus Warschau, beaufsichtigt von der polnischen KNF und bei der BaFin geführt (BaFin-ID 10121520). Zugang aus Deutschland: über die Berliner Niederlassung. Besonderheit: Das Hilfecenter beschreibt den Negativsaldoschutz je nach Vertragsgesellschaft unterschiedlich; welcher Wortlaut für Sie gilt, steht im Vertrag. Risikowarnung: 77 % der Privatkundenkonten verlieren Geld (Stand 17.10.2026).

Vor der Kontoeröffnung klären

Bevor Geld fließt, lassen sich fünf Dinge klären, ganz ohne Konto und ohne Risiko. Wer sie abhakt, hat den größten Teil der Prüfung bereits erledigt:

  • Vertragspartner. Steht in den Unterlagen klar, welche Gesellschaft mit Ihnen den Vertrag schließt? Fehlt der vollständige Firmenname, ist das ein schlechtes Zeichen.
  • Lizenz. Finden Sie die genannte Lizenznummer im Register der Aufsichtsbehörde, und passt der Firmenname dazu?
  • Kundenstatus. Sind Sie als Privatkunde geführt, und wissen Sie, was ein Wechsel in den professionellen Status Sie an Schutz kosten würde?
  • Schutzklausel. Können Sie den Negativsaldoschutz im Vertragstext selbst nachlesen, statt sich auf die Werbung zu verlassen?
  • Kosten. Kennen Sie alle laufenden Posten, vom Spread über den Swap bis zur Inaktivitätsgebühr?

Wie diese Prüfung im Einzelnen abläuft und wo Sie welche Angabe finden, zeigt die Anleitung, wie Sie einen Broker in sechs Schritten prüfen.

Schutz und seine Grenzen in Kürze

Der Negativsaldoschutz verhindert Schulden, nicht Verluste. Er gilt für das gesamte Konto und endet beim Kontostand null. Wenn ein Kurs über Nacht springt und die Position erst zu einem viel schlechteren Preis geschlossen werden kann, fängt der Anbieter den Fehlbetrag auf, nicht Sie.

Zwei Ausnahmen sollten Sie kennen. Für professionelle Kunden gilt der Schutz nicht in gleicher Weise. Und bei Anbietern außerhalb der EU hängt er davon ab, welche Gesellschaft den Vertrag führt, selbst wenn der Markenname vertraut klingt. Wann das der Fall ist, lesen Sie unter Wann der Schutz nicht greift.

Nachschusspflicht in Kürze

Nachschusspflicht heißt: Wer mehr verliert, als er eingezahlt hat, muss den Fehlbetrag aus dem übrigen Vermögen begleichen. Für Privatkunden ist das bei CFDs ausgeschlossen.

Auslöser des Verbots waren Fälle, in denen Verluste die Einlage weit überstiegen und Kunden hohe Restforderungen erhielten. Wie es dazu kam und was seither gilt, schildert der Hintergrund zum Verbot der Nachschusspflicht.

Kosten und Hebel auf einen Blick

Beim CFD-Handel geht es selten um eine einzelne große Gebühr. Es sind mehrere kleine, die zusammen den Unterschied machen:

  • Hebel: Die ESMA setzt für Privatkunden Grenzen von 30:1 bis 2:1, je nach Schwankungsbreite des Basiswerts.
  • Kosten: Spread, Kommission, Swap für Positionen über Nacht und gegebenenfalls eine Inaktivitätsgebühr.
  • Wirkung: Je höher der Hebel, desto kleiner der Kursrückgang, der die hinterlegte Marge aufzehrt.

Mit dem Rechner können Sie durchspielen, wie sich ein Prozent Kursbewegung bei verschiedenen Hebeln auswirkt: Kosten und Hebel im Detail.

Häufige Fragen

Welcher Anbieter passt zu meinem Kontostart?

Das hängt von Ihrem Einstieg ab: Höhe der ersten Einzahlung, gewünschte Basiswerte und Kostenmodell. Vergleichen Sie die Angaben der Anbieter in den Kundenunterlagen, nicht in der Werbung, und starten Sie nur mit Geld, dessen Verlust Sie verkraften.

Muss ich bei jedem Anbieter Privatkunde bleiben?

Nein, ein Wechsel zum professionellen Status ist unter bestimmten Bedingungen möglich, etwa bei ausreichender Handelserfahrung oder einem großen Portfolio. Er kostet aber Schutzrechte, etwa bei Entschädigung und Streitschlichtung. Für die meisten Einsteiger bleibt der Privatkundenstatus die sicherere Wahl.

Wie erkenne ich die Vertragsgesellschaft?

Sie steht in der Kundenvereinbarung und im Impressum des Anbieters. Achten Sie auf den vollständigen Firmennamen samt Rechtsform, nicht auf den Markennamen. Mit diesem Namen finden Sie den Eintrag im Register der Aufsicht.

Worin unterscheiden sich die Anbieter in der Tabelle?

Vor allem in Gesellschaft und Aufsicht, in der Art, wie sie deutsche Kunden betreuen, und in den Angaben zu Kosten und Schutz. Auch die Risikowarnungen weichen ab, weil jeder Anbieter den Anteil verlustreicher Konten für seinen eigenen Kundenstamm angibt. Ein direkter Vergleich der Prozentwerte sagt deshalb weniger aus, als es scheint.

Ist ein Demokonto vor dem Start sinnvoll?

Meist ja. Sie lernen Plattform, Margin-Anzeige und Ordertypen kennen, ohne Risiko. Beachten Sie aber, dass Kurse und Ausführung im Demokonto vom Echtbetrieb abweichen können, vor allem bei Kurssprüngen.