Vergleich der Hebelprodukte

Nachschusspflicht bei Turbos, Optionsscheinen und Futures: Unterschiede zu CFDs

CFDs sind nicht die einzigen Produkte mit Hebel. Wer verstehen will, wo ein Totalverlust endet und wo womöglich mehr droht, sollte die Alternativen kennen.

Stand: Oktober 2026 ca. 4 Min. Lesezeit

Die Hebelprodukte im Überblick

Hebel steckt in mehr Produkten als nur in CFDs. Wer sich fragt, ob irgendwo eine Nachschusspflicht lauert, sollte vier Gruppen auseinanderhalten: Turbo-Zertifikate, Optionsscheine, Futures und CFDs. Sie unterscheiden sich darin, was maximal verloren gehen kann, ob nachgeschossen werden muss und wo gehandelt wird.

Allgemeine Einordnung. Maßgeblich sind immer die Produktbedingungen und das Basisinformationsblatt des jeweiligen Produkts.
CFD (Privatkunden)Turbo-ZertifikatOptionsscheinFuture
VerlustgrenzeGuthaben auf dem Kontoje nach Produkt, meist der eingesetzte Betragfür Käufer der eingesetzte Betragje nach Anbieter und Position, kann über die Margin hinausgehen
Nachschusspflichtfür Privatkunden verbotenje nach Produkt und Anbieterfür Käufer in der Regel neinje nach Anbieter und Börse möglich
Laufzeitmeist unbefristet, Swap bei Haltedauerje nach Produkt befristet oder offenbefristetbis zum Verfallstermin
Handelsplatzbeim Anbieter, außerbörslichBörse oder EmittentBörse oder EmittentTerminbörse

Turbo-Zertifikate

Turbos bilden einen Basiswert gehebelt ab und haben eine Knock-out-Schwelle. Wird sie berührt, ist das Produkt wertlos oder fast wertlos. Der Verlust ist dann in der Regel auf den Kaufpreis begrenzt, den Sie bezahlt haben. Das ist der entscheidende Unterschied zu einem Instrument, bei dem Positionen laufen und Sicherheiten nachgefüllt werden müssen.

Ob in Einzelfällen etwas anderes gilt, steht in den Produktbedingungen. Prüfen Sie daher Basisinformationsblatt und Emittent. Für Anleger ist wichtig zu wissen: Ein Turbo kann innerhalb von Minuten komplett verfallen, wenn der Markt die Schwelle erreicht. Das Risiko ist begrenzt, aber der Totalverlust nicht unwahrscheinlich. Wer sich für Turbos interessiert, sollte vor dem Kauf prüfen, wie weit der Kurs von der Schwelle entfernt ist, und wissen, dass der Abstand mit jedem Handelstag kleiner werden kann.

Optionsscheine

Ein Optionsschein gibt Ihnen das Recht, einen Basiswert zu festgelegten Bedingungen zu kaufen oder zu verkaufen, nicht die Pflicht. Als Käufer zahlen Sie dafür einen Preis, und mehr als dieser Preis kann nicht verloren gehen. Eine Nachschusspflicht gibt es für Käufer in der Regel nicht.

Der Haken liegt in der Zeit: Optionsscheine haben eine feste Laufzeit, und mit jedem Tag verliert die Zeitkomponente an Wert, selbst wenn der Kurs stillsteht. Wer auf das richtige Szenario setzt, aber zu früh, kann trotzdem verlieren. Anders ist die Lage, wenn Sie Optionen nicht kaufen, sondern verkaufen (als Stillhalter): Dann kann der Verlust die Prämie deutlich übersteigen.

Futures

Futures sind standardisierte Termingeschäfte an einer Börse. Sie hinterlegen eine Margin, und bei Verlusten verlangt der Broker oder die Börse zusätzliche Sicherheiten. Wer nicht nachschießt, wird ausgestoppt.

Anders als bei CFDs für Privatkunden ist der Verlust hier nicht automatisch auf das Guthaben begrenzt: Je nach Anbieter und Marktlage kann er die hinterlegte Margin übersteigen, und dann besteht eine Nachschusspflicht. Wer Futures handelt, sollte die Bedingungen seines Brokers zum Close-out und zur Haftung genau kennen. Für Einsteiger sind sie deshalb in der Regel das riskanteste der hier genannten Produkte.

CFDs: Was für Privatkunden anders ist

Bei CFDs ist die Lage für Privatkunden in Deutschland klar geregelt: Die Nachschusspflicht ist verboten, der Negativsaldoschutz gilt pro Konto, und das Close-out erfolgt bei 50 % der Mindestmarge. Dafür sind CFDs außerbörsliche Produkte, die Sie direkt mit dem Anbieter abschließen. Preisbildung und Ausführung liegen damit beim Anbieter, auch deshalb kommt es auf die Vertragsgesellschaft an.

Wo die Verlustgrenze liegt, ist also keine Frage des Produktnamens allein. Sie hängt davon ab, wie das Produkt konstruiert ist, wer es anbietet und welchem Kundenstatus Sie angehören. Wie der Schutz auf Kontoebene im Detail funktioniert und wo er endet, steht auf der entsprechenden Seite. Wichtig bleibt: Ein Verbot der Nachschusspflicht für CFDs sagt nichts über die anderen Produkte, auch wenn sie sich ähnlich anfühlen.

Häufige Fragen

Haben Turbo-Zertifikate eine Nachschusspflicht?

In der Regel nein: Der Verlust ist meist auf den eingesetzten Betrag begrenzt. Abweichungen sind möglich, deshalb zählen Produktbedingungen und Basisinformationsblatt. Der Totalverlust bei Berühren der Knock-out-Schwelle bleibt das Hauptrisiko.

Kann ich bei Futures mehr als meinen Einsatz verlieren?

Ja, das ist möglich. Futures sind gehebelte Termingeschäfte mit Margin. Je nach Anbieter und Marktlage können Verluste die Margin übersteigen und Nachschüsse erforderlich machen.

Welches Hebelprodukt ist für Einsteiger geeignet?

Eine pauschale Antwort wäre unseriös. Wichtig sind drei Fragen: Wie hoch ist der maximale Verlust, muss nachgeschossen werden, und wie gut verstehen Sie die Funktionsweise? Wer eine davon nicht beantworten kann, sollte das Produkt zunächst nicht handeln.