Was ist der Negativsaldoschutz?
Der Negativsaldoschutz stellt sicher, dass Ihr Konto nicht unter null fällt: Mehr als das Guthaben auf dem Konto können Sie als Privatkunde mit CFDs nicht verlieren. Gerät der Kontostand durch eine heftige Kursbewegung rechnerisch ins Minus, gleicht der Anbieter den Fehlbetrag aus.
Die Regel stammt aus den ESMA-Maßnahmen für CFDs und gilt auf Kontoebene. Sie ist die Antwort auf die frühere Nachschusspflicht, über deren Hintergrund zum Verbot eine eigene Seite informiert. Wichtig für das Verständnis: Der Schutz greift erst im Extremfall. Davor liegen mehrere Stufen, in denen Ihr Guthaben bereits schrumpft.
Zuerst kommt die Warnung, dann die automatische Schließung, ganz am Ende der Schutz vor einem Minus. Je früher Sie reagieren, desto seltener kommt es zur letzten Stufe.
Margin Call, Stop-out und Close-out im Vergleich
Drei Begriffe tauchen im CFD-Handel ständig auf und werden gern durcheinandergeworfen, auch in der Werbung der Anbieter, die sie mal strenger, mal großzügiger verwendet. Sie beschreiben aufeinanderfolgende Stufen, wenn eine Position gegen Sie läuft:
| Begriff | Was passiert | Schwelle |
|---|---|---|
| Margin Call | Die Plattform warnt, dass die Marge knapp wird. Sie sollen Geld einzahlen oder Positionen verkleinern. | Legt der Anbieter fest |
| Stop-out | Positionen werden automatisch geschlossen, weil die Marge weiter sinkt. Der Begriff wird je nach Anbieter unterschiedlich gebraucht. | Legt der Anbieter fest |
| Close-out | Gesetzlich vorgeschriebene Schließung für Privatkunden, wenn die Marge auf Kontoebene einen bestimmten Wert erreicht. | Bei 50 % der Mindestmarge (ESMA) |
Der Ablauf in vier Schritten
- Position öffnen. Ein Teil des Guthabens wird als Marge gebunden. Der Rest bleibt als Puffer auf dem Konto.
- Kurs läuft gegen Sie. Das Eigenkapital sinkt mit jedem Punkt, die Margin-Anzeige rutscht nach unten.
- Margin Call. Die Plattform schlägt Alarm. Jetzt können Sie nachlegen oder verkleinern.
- Close-out. Fällt die Marge auf 50 % der Mindestmarge, schließt der Anbieter Positionen automatisch. Springt der Kurs vorher über die Schwelle hinweg und das Konto rutscht ins Minus, greift der Negativsaldoschutz.
Kann ich trotzdem mehr verlieren als meinen Einsatz?
Mehr als das Guthaben auf dem Konto verlieren Sie nicht, aber das gesamte Guthaben kann weg sein. Das klingt nach einem kleinen Unterschied, ist in der Praxis aber der wichtigste: Der Schutz bewahrt Sie vor Schulden, nicht vor dem Totalverlust des Kontos.
Verwechseln Sie außerdem nicht „Position“ und „Konto“. Der Schutz gilt für das Konto insgesamt. Mehrere offene Positionen addieren ihre Verluste, und eine einzelne große Position kann allein alles aufzehren. Die beiden Ansichten unten machen den Unterschied sichtbar:
Wie stark ein Kursrückgang das Konto trifft, hängt vom Hebel ab. Wie sich die Marge je nach Hebelstufe verändert, rechnet die Seite zu Kosten und Hebel vor.
Gaps und Slippage
Problem: Ein Stop-Auftrag oder Close-out wird nicht exakt zum gewünschten Kurs ausgeführt. Ursache: Der Markt springt, etwa über Nacht, nach Nachrichten oder beim Wochenstart. Zwischen zwei Kursen liegt dann eine Lücke (Gap), und der Auftrag wird zum nächsten verfügbaren Preis ausgeführt (Slippage).
Das ist kein Fehler des Anbieters, sondern eine Eigenschaft des Marktes: Wo kein Handel stattfindet, gibt es auch keinen Preis. Bei Wertpapierhandel ist das ein altbekanntes Phänomen. Beim gehebelten CFD wirkt es besonders stark, weil schon kleine Abweichungen einen großen Teil der Marge ausmachen. Lösung: Sie können Gaps nicht verhindern, aber ihre Folgen begrenzen. Halten Sie einen Sicherheitsabstand zur Close-out-Schwelle ein, öffnen Sie vor Wochenenden und Nachrichtenterminen keine Positionen in voller Größe, und verlassen Sie sich nicht allein auf Stop-Aufträge. Reißt die Lücke das Konto trotzdem unter null, gleicht der Anbieter es aus.
Wann der Schutz nicht gilt: professionelle Kunden
Der Schutz ist ein Privatkundenrecht. Wer als professioneller Kunde eingestuft ist, verliert ihn in der Regel. Nach MiFID II reicht es, wenn zwei von drei Kriterien erfüllt sind:
- durchschnittlich 10 Geschäfte pro Quartal in den letzten vier Quartalen,
- mindestens ein Jahr Berufserfahrung im Finanzsektor,
- ein Portfolio von über 500.000 €.
Mit dem Statuswechsel verzichten Kunden unter anderem auf die Entschädigung durch den Anlegerentschädigungsfonds, auf die Streitschlichtung und auf erweiterte Risikoaufklärung. Ein Beispiel dafür, wie das in den Bedingungen steht: Capital.com weist darauf hin, dass bei professionellen Kunden das Risiko bestehen kann, mehr als die Einlage zu verlieren.
Sie erkennen Ihren Status in den Kontoeinstellungen oder in der Kundenvereinbarung. Fragen Sie im Zweifel beim Anbieter nach, bevor Sie handeln. Ein stillschweigender Wechsel ist nicht vorgesehen.
Ob Sie den Status wollen, ist Ihre Entscheidung. Aber sie ist nur sinnvoll, wenn Sie genau wissen, was Sie dafür aufgeben.
Gleiche Marke, andere Gesellschaft: Broker außerhalb der EU
Viele Broker treten unter einer Marke mit mehreren Gesellschaften auf. Welche davon Ihr Vertragspartner ist, entscheidet über den Schutz. Ein Beispiel liefert das Hilfecenter von XTB: Danach gilt der Negativsaldoschutz für Privatkunden bei XTB Limited, nicht aber bei XTB International. Das ist keine Wertung, sondern ein Hinweis darauf, wie viel am Vertragswortlaut hängt.
Was daraus folgt: Verlassen Sie sich nicht auf den Markennamen. Prüfen Sie, welche Gesellschaft Sie bei der Registrierung akzeptieren, und lesen Sie in deren Kundenvereinbarung den Absatz zum negativen Kontostand. Wie das geht, beschreibt die Seite zur Vertragsgesellschaft prüfen. Einen Vergleich der Anbieter gibt es im Anbieter im Überblick.
Eine kleine Gewohnheit zahlt sich aus: Speichern Sie die Kundenvereinbarung mit Datum, bevor Sie Geld einzahlen. Anbieter ändern ihre Bedingungen, und im Streitfall zählt, was zum Zeitpunkt Ihres Vertragsschlusses galt. Das gilt für den Absatz zum negativen Kontostand genauso wie für die Regeln zum Close-out.
Häufige Fragen
Kann man sich mit CFDs verschulden?
Als Privatkunde nicht über das Kontoguthaben hinaus, dank Negativsaldoschutz. Verschulden kann man sich aber auf anderem Weg: wenn Sie Geld für den Handel leihen, etwa über einen Kredit. Das Risiko liegt dann nicht beim CFD, sondern bei Ihrer Finanzierung.
Was passiert bei einem Gap?
Die Position wird zum nächsten verfügbaren Kurs geschlossen, der deutlich schlechter sein kann als erwartet. Fällt das Konto dadurch unter null, setzt der Negativsaldoschutz es auf null zurück, und der Anbieter trägt den Rest.
Verliere ich den Schutz als professioneller Kunde?
In der Regel ja, zumindest teilweise. Professionelle Kunden verzichten auf einen Teil der Privatkundenrechte. Wie weit das geht, steht in den Bedingungen des Anbieters. Ohne Not sollten Sie den Statuswechsel nicht beantragen.
Gilt der Schutz pro Position oder pro Konto?
Pro Konto. Alle Positionen zählen zusammen. Der Schutz begrenzt nur den Gesamtverlust auf das Guthaben, er macht einzelne Positionen nicht sicherer.